Startseite ÖGU

Beinahe Ertrinken

Badespass mit Folgen – rasche Laienhilfe kann Leben retten

„Wussten Sie, dass fast 20% der tödlichen Kinderunfälle durch Ertrinken passieren? Dafür, so meinen die österreichischen UnfallchirurgInnen, gibt es mehrere Gründe. Als besonders gefährdet gilt jene Gruppe von Kleinkindern, die gerade dabei ist „die Welt zu entdecken“, zwischen dem 1. und 4. Lebensjahr, deren Beaufsichtigung besonders schwierig ist. Schon Zierteiche mit 10 cm Wassertiefe haben zu tödlichen Kleinkinderunfällen geführt.“

Schwimmen unter Aufsicht

Schwimmhilfen – wie die bekannten Schwimmflügerl – sind ebenso keine absolute Sicherheitsgarantie, können sie doch verrutschen, platzen oder auch falsch angelegt sein. Aufsicht ist in jedem Fall nötig.

Die sehr beliebten Schwimmtiere sind Spielzeug, aber keine Schwimmhilfen. Die Erfahrung zeigt, dass besonders die sogenannten Babyschwimmhilfen zu besonderer Vorsicht mahnen. Sie sehen aus wie kleine Boote, Autos, Inseln oder dergleichen. Die Kleinen werden dabei in einen schwimmenden Kindersitz gesetzt, die Füße reichen durch Öffnungen der Sitze in das Wasser. Kippen diese aufblasbaren Sitze, können sich die Kinder nicht befreien, da ihre Beine in den engen Öffnungen stecken und Kopf und Rumpf so unter dem Wasser bleiben. Ohne körperliche Nähe von Erwachsenen sind sie eigentlich als gefährliche Produkte zu bezeichnen.

uvm_ertrinkenNicht nur Kinder sind gefährdet

Bei Erwachsenen sind Badeunfälle durch Selbstüberschätzung, Kreislaufschwäche (durch vorbestehende Erkrankungen oder durch große Hitze) oder auch durch Alkoholeinfluss bedingt.

Über die Gefahren bei Kopfsprüngen in Gewässer unbekannter Tiefe haben die UnfallchirurgInnen erst die Öffentlichkeit vor kurzer Zeit informiert. Dass durch rasche und kompetente Laienhilfe jedoch manches Todesopfer bei Wasserunfällen vermieden hätte werden können, ist viel zu wenig bekannt. Neben dem Ertrinken durch Ansammlung von Flüssigkeit in den Lungen gibt es den medizinischen Begriff des „Beinaheertrinkens“.

Dabei kommt es – nach einem tiefen Atemzug im Kampf gegen das Untergehen – zu einem nachfolgenden Stimmritzenkrampf, wodurch der Kehlkopf verschlossen wird, die fehlende Sauerstoffaufnahme führt schließlich zur Bewusstlosigkeit. Hier ist – entgegen weit verbreiteter Meinung – kaum Wasser in den Lungen, diese Verunfallten können bei adäquater rascher Hilfe gerettet werden.

Sinnvolle Soforthilfe kann Leben retten

Für den Laien wie auch für den Mediziner ist diese Differenzierung zwischen „Ertrinken“ und „Beinaheertrinken“ direkt am Unfallort nicht möglich und auch nicht notwendig. Notwendig aber sind sofort einsetzende Wiederbelebungsmaßnahmen, also Mund zu Mund- oder Mund zu Nasenbeatmung und Herzmassage.

Da tiefe Wassertemperaturen die Toleranzgrenze der Organe für Sauerstoffmangel erhöhen, macht dies auch dann Sinn, wenn ein scheinbar lebloser Körper nach unbekannter Verweildauer aus dem Wasser geborgen wird. Man schätzt, dass durch Soforthilfe jeder 10. Ertrinkende gerettet werden kann.

Die Österreichischen Unfallchirurgen empfehlen

  • Besser als Unfallbehandlung ist Unfallvermeidung: Lassen Sie Kinder, auch in scheinbar sicheren Schwimmzonen und mit angelegten Schwimmhilfen, nie unbeaufsichtigt!
  • Bedenken Sie, dass große Hitze die Gefäße erweitert, der Kreislauf wird dadurch belastet, die Leistungsfähigkeit – auch beim Schwimmen – vermindert.
  • Alkohol fördert die Gefäßerweiterung.
  • Vorsicht bei Gewässern unbekannter Tiefe
  • Notfallmaßnahmen müssen trainiert sein.
  • Frischen Sie Ihr Wissen in einem Erste Hilfe-Kurs auf
  • Effiziente Wiederbelebungsmaßnahmen können nicht im Wasser erfolgen, bringen Sie den Verunfallten und sich selbst zunächst in Sicherheit
  • Denken Sie daran – Sie können einen „Beinaheertrinkenden“ geborgen haben, führen sie die Wiederbelebungs- maßnahmen bis zum Eintreffen des Notarztes durch.