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Kopfsprung ins Wasser

Ein rekordverdächtiger Sommer – auch für Badeunfälle?

„Nicht um Panik zu verbreiten, sondern auf durchaus vermeidbare Gefahren aufmerksam zu machen, die ein jähes und trauriges Urlaubsende bedeuten können, wenden sich die österreichischen Unfallchirurgen an die …Öffentlichkeit. Wie der Statistik des Institutes „SICHER LEBEN“ zu entnehmen ist, stieg die Invaliditätsrate nach Freizeitunfällen – die immerhin bereits 70% aller Unfälle ausmachen – in den letzten 5 Jahren um 64%.“

Gefährlicher Leichtsinn

Die Temperaturen der letzten Woche und die Urlaubszeit haben selbst eher wenig wassersportbegeisterte Menschen in die zahlreichen Freibäder und Swimmingpools getrieben. Verständlich, dass man es genießen möchte, wenn einem einmal nicht durch berufsbedingten Stress das Wasser bis zum Hals steht, denselben samt übrigem Körper kopfüber in die Fluten zu tauchen. Viel zu wenig bekannt sind die durchaus vermeidbaren Katastrophen, die dabei auftreten können. Nach einer Untersuchung, die am Unfallkrankenhaus Klagenfurt von Prof. Schwarz durchgeführt wurde, sehen die österreichischen Unfallchirurgen beispielsweise jährlich etwa 10 Querschnittslähmungen, die durch Kopfsprünge in zu seichtes Wasser bedingt sind. An der Spitze der Gefahrenskala liegen Swimmingpools, ausgelassene – meist feucht-fröhliche – Stimmung verführt zu unüberlegten Handlungen, die unter Umständen zu einem weiteren Leben im Rollstuhl zwingen.

uvm_kopfsprungÜbermut tut selten gut

Auch gilt es nicht als „cool“ in ein natürliches – meist trübes – Gewässer über eine Treppe einzutauchen. Viel sportlicher sieht es aus, wenn das Schwimmen mit einem eleganten Kopfsprung eingeleitet wird. Neben den schon erwähnten fatalen Querschnittslähmungen passieren so auch Schädelverletzungen, oder auch Knochenbrüche der vorgestreckten Arme. Eine Aussage über die „sichere“ Wassertiefe ist nicht eindeutig möglich, zu sehr spielen Faktoren wie Körpergröße und -gewicht, Sprungtechnik, Sprunghöhe und Eintauchwinkel eine Rolle. Fest steht aber, dass ein normalgewichtiger Springer, der von der Seite in ein Schwimmbecken springt, in einer Reaktionszeit von 0,25 bis 0,5 Sekunden bereits eine Tiefe von etwa 1,80 m erreicht hat!

Betroffen sind am häufigsten Jugendliche und junge Männer im Alter zwischen 15 und 25 Jahren

Ein anderes Gefahrenmoment sind laut Unfallstatistik Wasserrutschen, wo Kinder und Jugendliche kopfüber mit relativ hohen Geschwindigkeiten abrutschten und unvermutet auf Hindernisse stoßen Die Unfallfolgen sind Schädel-, Wirbelsäulen- oder Extremitätenverletzungen nicht nur beim „Rutscher“, sondern auch beim „Hindernis“, dem unter der Rutsche planschenden Spielgefährten.

Eine besondere Risikogruppe sind Wildwasserpaddler und Raftingsportler. Helme und Lifewesten geben nur scheinbare Sicherheit. Die Kraft der Fließgewässer wird unterschätzt, und das Risiko, mit dem Boot zu kentern und gegen Felsen zu prallen, ist groß. Auch hier warnen die Unfallchirurgen vor Selbstüberschätzung.

Es ist eine ethische und sozialmedizinische Aufgabe, auf die vielfach unterschätzten Gefahren hinzuweisen.

Um Badefreuden und Wassersport ungetrübt genießen zu können, empfehlen die Österreichischen Unfallchirurgen

  • Vergewissern Sie sich vor Kopfsprüngen über die Wassertiefe
  • Machen Sie Kopfsprünge nur dort, wo die Tiefe des Gewässers mindestens Ihre Körpergröße erreicht, und tauchen Sie in einem möglichst flachen Winkel ein
  • Lassen Sie Kinder in und um ein Gewässer nie unbeaufsichtigt, auch wenn die Schwimmflügerl angelegt sind
  • Kajakfahren und Wildwasserrafting sind Extremsportarten. Überschätzen Sie sich nicht!