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Pressemitteilung

„DAS TRAUMA IM FORTGESCHRITTENEN LEBENSALTER“ 40. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Unfallchirurgie vom 7. – 9. Oktober 2004 in Salzburg Wien/Salzburg, 4./6. 10.2004. 600 Fachleute aus 6 europäischen Ländern beschäftigen sich mit Verletzungen und deren Folgen bei den über Sechzig-Jährigen, einer Patientengruppe, die stark zunimmt. Unter dem Vorsitz von Prim. Dr. Walter Buchinger, Präsident der ÖGU, wird in mehr als 100 Vorträgen auf die Besonderheit bei der Behandlung von Traumen im fortgeschrittenen Lebensalter eingegangen. Altersbedingte physiologische Veränderungen, häufig bereits vorhandene zusätzliche Vorerkrankungen sind Herausforderung für Österreichs Unfallchirurgen aber auch für die Gesundheitspolitiker!

Osteoporose: Vermehrte Aufklärung und Prävention ist nötig Nach Herz-Kreislauferkrankungen und Malignomen gilt die Osteoporose in Europa als dritthäufigste Erkrankung. Nach Schätzungen von Fachleuten wird nur jeder zehnte Osteoporosepatient adäquat therapiert. Eines der Hauptziele der 40. Unfallchirurgen-Tagung ist daher die Sensibilisierung der Öffentlichkeit wie auch der Kollegenschaft für dieses Problem zu steigern. Welche Bedeutung Aufklärung und Prophylaxe generell sowohl für den Einzelnen wie auch für die Volkswirtschaft haben, lässt sich an Hand der Diagnose „Frakturen des Schenkelhalses“ demonstrieren: Laut „Statistik Austria“ wurden

  • 1989 rund 11.000 Schenkelhalsfrakturen registriert;
  • 2001 waren es bereits über 16.000 Schenkhalsfrakturen, das bedeutet eine Steigerung von mehr als 40 % im Zeitraum von 12 Jahren; die direkten Kosten für das österreichische Gesundheitswesen werden mit 290 Millionen Euro/Jahr geschätzt.

Jede zweite Fraktur könnte bei Auswahl einer adäquaten Osteoporosetherapie, die im Ausgleich eines vermehrten Kalzium- und Vitamin D-Bedarfs und der Einnahme eines die Knochenabbauzellen hemmenden Medikamentes besteht, vermieden werden. Die Kosten einer derartigen Osteoporosetherapie liegen bei etwa 10-15 Prozent gegenüber jenen Aufwendungen, die für Versorgung einer Hüftfraktur erforderlich sind. Weit höher dürften noch die Folgekosten osteoporotischer Wirbelfrakturen (Schmerztherapie, Physiotherapie, Arbeitsausfall) sein. Zuweisung durch Unfallchirurgen gefordert! Die Therapiemöglichkeiten bei Osteoporose werden ständig verbessert. War bis vor kurzem die tägliche Einnahme so genannter „Biphosphonate“ nötig, gibt es heute bereits nur mehr wöchentlich zu applizierende Depotformen. Derzeit wird die Wirksamkeit eines Impfstoffes getestet.
Aufklärungsarbeit ist jedoch bei den Sozialversicherungsträgern zu leisten: Häufig liegt es am Unfallchirurgen, den Patienten anlässlich einer Knochenfraktur auf seine Osteoporose-Erkrankung aufmerksam zu machen! Obwohl in diesen Fällen die Unfallchirurgen diese Erstdiagnose feststellen, ist es ihnen untersagt, eine Zuweisung zur Knochendichtemessung vorzunehmen. Ein Paradoxon, das umgehend beseitigt werden muss! Unfallchirurgen fordern Reaktion auf demografische Veränderungen und Rehabilitation in jedem Lebensalter! Österreich zählt zu jenen Ländern, deren Anteil in der älteren Bevölkerung am stärksten zunimmt. Die erfreuliche Tatsache einer ständig steigenden Lebenserwartung schafft in der medizinischen Versorgung zunehmend Herausforderungen, der sich nicht nur Mediziner zu stellen haben. Auch die Politik hat Handlungsbedarf. Der „gesunde“ 70-jährige geht heutzutage Skifahren, fährt Mountainbike, nicht selten Motorrad und ähnliches. Damit steigt auch die Unfallgefahr! Kompetente, auf dem letzten Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse basierende unfallchirurgische Versorgung ist durch Österreichs Unfallchirurgen gewährleistet Aufwändige rehabilitative Maßnahmen aber, beispielsweise nach einem Schädelhirntrauma oder einer Querschnittlähmung, sind bislang nur für jene Menschen sichergestellt, deren Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess volkswirtschaftlich von Bedeutung ist. Häufigster Unfallort: Die eigenen vier Wände Auch ältere, oft über 70-jährige Unfallopfer, welche bereits Vorerkrankungen (3 bis 4 interne Vorerkrankungen sind keine Seltenheit) aufweisen und am „häufigsten Unfallort“ – den eigenen vier Wänden – eine Verletzung erleiden, müssen neben einer optimalen unfallchirurgischen Versorgung einer entsprechenden Rehabilitation zugeführt werden: Behandlungsziel neben einer optimalen operativen Versorgung muss die Sicherstellung der Lebensqualität sein. Remobilisierungseinheiten, die diesen Ansprüchen nicht nur im Titel, sondern auch in der personellen Ausstattung genügen, sind derzeit rar. Das Bekenntnis zur uneingeschränkten medizinischen Versorgung darf sich nicht auf die Akutmedizin beschränken! Medizinischer Fortschritt schafft Lebensqualität und „neue“ Verletzungsformen Millionen Menschen in der zivilisierten Welt profitieren von der Möglichkeit der Implantation von Kunstgelenken nach Brüchen oder degenerativen Veränderungen. Gestiegene Lebenserwartung und hohe Haltbarkeit von Endoprothesen führen dazu, dass nicht selten nach Hüft- und Kniegelenksersatz an derselben Seite Brüche des Oberschenkels um oder zwischen den Prothesen entstehen. Die bereits vorhandenen Implantate, häufig auch die begleitende Osteoporose, lassen die üblichen Versorgungsmöglichkeiten nicht zu. Langstreckige „Frakturprothesen“, deren Schaft den Bruch wie einen Marknagel schient, Titancerclagen und winkelstabile Platten wurden entwickelt, und werden in diesen Fällen eingesetzt. Neue Behandlungsmöglichkeiten bei Wirbelsäulenleiden Rasche Verbreitung in kurzer Zeit bei der Behandlung osteoporotischer Wirbelbrüche – eine häufige Verletzung im fortgeschrittenen Lebensalter mit hohem Leidensdruck – hat die Technik der Kyphoplastie und Vertebroplastie erlangt. Bei dieser Methode wird der geborstene Wirbelkörper über Metallkanülen, – ohne eine große Wunde setzen zu müssen – durch kleine Hautinzisionen unter Röntgendurchleuchtung eingebracht und mit Knochenzement aufgefüllt. Die durch diesen in Lokalanästhesie möglichen Eingriff wiedererlangte Stabilität führt innerhalb kürzester Zeit zu Schmerzfreiheit oder zumindest zu einer deutlichen Schmerzreduktion. Leider hat auch in diesem Fall die Geschwindigkeit des medizinischen Fortschritts die Bürokratie überholt: Die Abrechnung dieser Leistung im LKF-System ist für die Spitäler nicht kostendeckend möglich, sodass die Unfallchirurgen in die unangenehme Situation gebracht wurden, diese Eingriffe entweder zu kontingentieren oder ihr Budget zu überziehen. Die Aufnahme neuer Leistungen in den LKF-Katalog (nur dann werden sie auch honoriert) muss dringend entbürokratisiert und beschleunigt werden.Anfragen zu dieser Information richten Sie bitte an: Andrea Stanek Österreichische Gesellschaft für Unfallchirurgie
E-Mail: office@unfallchirurgen.at, Tel: 01-533 35 42

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